Sieg vor Bundesarbeitsgericht: Lehrer (37) darf für Raucherpausen im Klassenzimmer bleiben

Bald in Dunst gehüllt: deutsche Klassenzimmer. Foto: Pixabay
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Erfurt – Überraschendes Urteil des Bundesarbeitsgerichts: Ein Lehrer aus Bad Eilsen ist durch alle Instanzen gegangen, um zu erwirken, dass Lehrer, wie jeder andere Arbeitnehmer auch, jederzeit eine Raucherpause einlegen dürfen – einzige Bedingung: Die Lehrer müssen dafür im Klassenzimmer bleiben.

Je suis Raucher

Corni P. (37), ein mehrfach beurlaubter Realschullehrer aus Bad Eilsen, kann es nicht fassen. Er hat tatsächlich vor dem Bundesarbeitsgericht ein Grundrecht für die deutsche Lehrerschaft erstritten, das in der deutschen Wirtschaft jährlich für Milliardenverluste

Bald in Dunst gehüllt: deutsche Klassenzimmer. Foto: Pixabay

Bald in Dunst gehüllt: deutsche Klassenzimmer. Foto: Pixabay

sorgt. Die Rede ist natürlich von der „kurzen Raucherpause“. Viele nicht-rauchende Arbeitnehmer kennen das: Jeden Tag machen die weniger willensstarken Kollegen eine „kurze Raucherpause“, die sie „natürlich von ihrer eigentlichen Mittagspause abziehen“. In der Realität klappt dieses „abziehen“ aber nicht, was dazu führt, dass rauchende Arbeitnehmer im Schnitt zwei- bis dreimal so lange Pause machen, wie ihre nicht-rauchenden Kollegen. Ein Skandal, dachte sich auch Corni P., als er davon hörte, und fragte sich, warum Lehrer eigentlich keine Raucherpause machen dürfen.

Ein fleißiger Lehrer

Insgesamt fünf Jahre hat Corni P. an dem Rechtsstreit gearbeitet. „Meine ganze Energie ist in die Erstreitung der Raucherpause für Lehrkräfte geflossen. Meinen Unterricht habe ich in der Zeit natürlich stark vernachlässigt, aber es ging hier einfach um etwas, das wichtiger war als die Kinder.“ Es gibt nur einen Haken: Die „kurze Raucherpause“ müssen die Lehrer im Klassenzimmer bei den Kindern verbringen, um ihre Aufsichtspflicht nicht zu verletzten. Das führt zu Problemen, wie uns der Rektor von Corni P.‘s Schule zwei Wochen nach der Urteilsverkündung erzählt: „Aus Brandschutzgründen müssen die Fenster der Klassenzimmer während der Raucherpausen der Lehrkräfte geschlossen bleiben, was viele Kinder zu Passiv-Rauchern werden lässt. Viele Eltern haben schon gedroht zu klagen, doch uns sind die Hände gebunden.“

Oregano im Klassenzimmer

Doch es gibt auch positive Effekte, wie uns Corni P. berichtet. „Seitdem wir während des Unterrichts rauchen dürfen, sitzen die coolen Kinder plötzlich in der ersten Reihe, um so nah wie möglich an meinem Lehrerpult zu sein. Das ist doch super!“ Andere Kinder setzten sich extra ganz weit nach hinten, um nicht den Dunst von Corni P.‘s merkwürdig verformten „Zigaretten“ ausgesetzt zu sein. „Herr P. ist irgendwie komisch“, erzählt uns die 14-jährge Bianca. „Früher roch nur seine Kleidung so merkwürdig süßlich, da dachten wir immer, das liegt vielleicht auch an den verschimmelten Dreadlocks, die er trägt. Aber seitdem er im Klassenzimmer rauchen darf, ist der Duft überall. Ich verstehe auch nicht, warum er in seine selbstgedrehten Zigaretten Oregano hinzufügt.“ Danach entschuldigt sich Bianca. Wie immer nach einer Stunde Werte und Normen bei Corni P. hat sie plötzlich einen riesigen Kohldampf entwickelt – genau wie ihre anderen Klassenkameraden.

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