Integration geglückt: Einziger „Ausländer“ in Meck-Pomm will die AfD wählen

An der Ostsee hört Yussuf O. gerne "Englishmen in New York" von Sting. Foto: Pixabay
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An der Ostsee hört Yussuf O. gerne "Englishmen in New York" von Sting. Foto: Pixabay

An der Ostsee hört Yussuf O. gerne „Englishmen in New York“ von Sting. Foto: Pixabay

Schwerin – Die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern sorgt bereits im Vorfeld für hitzige Gemüter, was wohl vor allem an dem prognostizierten Wahlerfolg der AfD liegt. Auch Yussuf O. (26) will die AfD wählen – denn der deutsche Staatsbürger wird täglich auf der Straße als „scheiß Ausländer“ beschimpft und hofft, sich durch sein Kreuz am äußersten rechten Rand endgültig zu integrieren.

Seit drei Generationen in Deutschland

Der 26-Jährige Yussuf O. lebt mit seiner Familie in der dritten Generation in Deutschland. Sein Großvater kam in den 60er-Jahren als Gastarbeiter aus der Türkei nach Westdeutschland. Die Familie wurde damals schnell heimisch und baute sich eine bürgerliche Existenz auf. Die meisten Mitglieder aus Yussufs Familie haben Abitur und sind anständige Steuerzahler. Als Yussuf – gelernter IT-Techniker – vor zwei Jahren wegen eines lukrativen Jobangebots nach Schwerin zog, war das ein richtiger Schock. „Das war ganz anders als im Westen“, schildert er dem Hänselblatt. „Die Leute starrten mich an und immer wieder wurde ich als „scheiß Ausländer“ beschimpft. Dabei bin ich einer der wenigen in Meck-Pomm, der dialektfrei Deutsch spricht!“

Der Auserwählte

Und Yussuf O. war sogar noch mehr. Laut statistischen Bundesamt ist Yussuf O. der einzige(!) Bundesbürger mit Erstwohnsitz in dem neuen Bundesland, der einen Migrationshintergrund besitzt. „Zuerst konnte ich es auch nicht glauben“, erzählt uns Yussuf O., „aber als ich so drüber nachdachte, machte es Sinn. In meinen zwei Jahren war ich beruflich viel innerhalb Meck-Pomms unterwegs und ich habe nicht einen Menschen mit Migrationshintergrund gesehen.“ Umso merkwürdiger also, dass die rechtspopulistische AfD auch in Schwerin und Umgebung so sehr gegen alles hetzt, was nicht blond und blauäugig ist.

Yussuf will sich integrieren

Aber Yussuf will sich nicht unterkriegen lassen. „Ich will mich integrieren und endlich dazugehören“, sagt uns der junge Mann. „Daher wähle ich am Sonntag die AfD. Vielleicht akzeptieren die Leute mich ja dann.“ Ein mutiger Schritt. Hat er denn das Wahlprogramm gelesen, wollen wir wissen. „Nein, aber was soll da schon groß drinstehen? Außerdem, selbst, wenn die in Meck-Pomm an die Macht kommen, viel schlimmer kann es hier auch nicht mehr werden.“ Gutes Argument. Wir wünschen Yussuf jedenfalls alles Gute und sind uns sicher, dass seine Integration glücken wird. Denn eines hat er mit rund 20 Prozent der Wahlberechtigten bereits jetzt gemeinsam (zusammen mit der deutschen Staatsbürgerschaft): Die haben auch noch nie in das Wahlprogramm der AfD geschaut.

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