„Bereue jeden Tag, die EILMELDUNG erfunden zu haben.“ – Prof. Dr. Eil im Interview

Ist entsetzt über die Nutzung seiner Erfindung: Prof. Dr. Eil. Foto: Pixabay
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Ist entsetzt über die Nutzung seiner Erfindung: Prof. Dr. Eil. Foto: Pixabay

Ist entsetzt über die Nutzung seiner Erfindung: Prof. Dr. Eil. Foto: Pixabay

Düsseldorf – Egal ob Terror, Politik oder Promi-News: Die Medienlandschaft wird überschwemmt mit Eilmeldungen, von denen eine dubioser ist als die andere. Was viele nicht wissen, Schöpfer der Eilmeldung ist Prof. Dr. Eil von der Universität Düsseldorf, der jeden Tag damit hadert, diese erfunden zu haben.

Hänselblatt: Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Eil, vielen Dank, dass Sie sich Zeit genommen haben, uns ein Interview zu geben.

Prof. Dr. Eil: Ich danke Ihnen. Man erhält nicht jeden Tag die Gelegenheit, im Hänselblatt zu erscheinen.

HB: Herr Eil, Sie sind in der Medienlandschaft eine Legende. Ihnen ist es zu verdanken, dass die Eilmeldung erfunden wurde. Wie kam es dazu?

Eil: Nun, während meiner Dozententätigkeit im Bereich der Medienwissenschaften habe ich lange an einer Methode geforscht, wie man die Menschheit noch schneller mit Informationen versorgen kann. Da kam die Idee zu einer Meldung, die rasch nach wichtigen Ereignissen verfasst wird und in einem Satz über das wesentliche informiert.

HB: Ihre Erfindung bezeichnen Experten als bahnbrechend. Doch es gibt auch Kritiker, die sich an dem eher windigen Format der Eilmeldung stören. Wir stehen Sie dazu?

Eil:  Ich muss zugeben, dass mich der Umgang mit meiner Erfindung sehr ärgert. Hätte ich das gewusst, hätte ich Sie nicht nach mir, sondern nach meinem wissenschaftlichen Mitarbeiter benannt, dann hieße die Eilmeldung nun „Kochmeldung“.

HB: Was genau stört Sie?

Eil: Die Art und Weise, wie mit dem Format umgegangen wird. Nicht nur, dass Sie inflationär gebraucht wird, um aus jeder Kleinigkeit eine Sensation zu machen – nein, es stört mich am allermeisten, dass Eilmeldungen oftmals schlecht recherchiert sind und hemmungslos übertreiben.

HB: Können Sie uns ein Beispiel nennen?

Eil: Nehmen Sie doch einfach jeden beliebigen Gewaltakt. Die Medien melden per Eilmeldung, dass ein Atomkraftwerk explodiert ist und es Tausende Todesopfer gibt. Das ist dann aber so schlecht recherchiert und vorschnell als Meldung rausgehen, dass sich hinterher, bei genauerer Betrachtung, herausstellt, dass lediglich irgendwo in Buxtehude eine leere Bio-Tonne umgefallen ist. Das macht mich fuchsig!

HB: Aber Sie selbst haben die Eilmeldung doch erfunden. Tragen Sie nicht persönlich dafür Verantwortung?

Eil: Was kann ich denn dafür, wenn diese Idioten in den Redaktionen nicht vernünftig arbeiten können? Guter Journalismus sollte nicht bedeuten, als erster über etwas zu berichten, sondern so wahrheitsgetreu wie möglich, dazu noch ethisch korrekt. Die neuen Möglichkeiten haben die weltweite Medienlandschaft komplett überrumpelt, und jetzt sind sie überfordert, richtig damit umzugehen.

HB: Harte Worte. Haben Sie noch einen Schlusssatz für uns?

Eil: Nein, tut mir leid. Ich habe es eilig.

HB: Dennoch vielen Dank für das Gespräch.

 

 

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